Frühling! Schöne Zeit – stressige Zeit

Nachdem der Frühling die letzten Jahre eigentlich immer zu früh dran war, hatte man dieses Jahr das Gefühl, es würde ewig dauern, bis die Tage endlich wärmer und heller werden. Und auch jetzt, nachdem der April mehr als halb rum ist, gibt es nachts immer noch knackigen Frost. Aber Nachtfrost bedeutet auch, dass die Nächte klar sind. Und das wiederum heißt, dass am Tag „dat Sönnche“ scheint. Kaum sind die Temperaturen tagsüber über die 10°-Marke geklettert, wurde es auch langsam immer grüner in der Natur.

Nach den Schneeglöckchen und den Krokussen, leuchtet gelb der Huflattich im Wald. 012 (800x677) Ich liebe seinen zarten Duft und streichle mir gerne mit den Blüten über das Gesicht. Regelmäßig vergesse ich dabei, dass der Blütenstaub dabei kleben bleibt, und mir gelbes Rouge auf die Wangen legt…. Der Huflattich ist übrigens eine Heilpflanze. Er hilft bei allem, was die Atemwege betrifft. Ist aber auch gut für die Verdauung und bei Hautproblemen. Was auch gelb leuchtet, ist das Scharbockskraut. 029 (800x742) Wie immer, erkenne ich es erst wenn es blüht. Vor der Blüte ist es eine Pflanze mit einem sehr hohen Vitamin C-Gehalt. Seeleute nahmen es früher mit auf die Reise, da die Pflanze gegen Skorbut geholfen hat. Wenn die Pflanze jedoch blüht, sollte man die Finger davon lassen. Dann wird sie nämlich leicht giftig. Dieses Jahr wollte ich es dann nochmal mit Giersch probieren. Im letzten Jahr habe ich mir ja damit einen Salat zubereitet, und war nicht sehr begeistert. Er war mir zu bitter. Bei der Hunderunde sah ich dann die winzig kleinen Gierschpflänzchen aus der Erde kommen. Eine Kostprobe zeigte mir, dass er ,so klein, einen leicht nussigen Geschmack hat. Bis ich dann aber Zeit frei geschaufelt hatte, um sammeln zu gehen, war er schon wieder viel zu groß geworden. 007 (800x516) Die Zeit rennt im Frühling einfach immer schneller. Schlagartig gibt es so viel zu tun, dass man kaum weiß, wo man anfangen soll. Beim Frühjahrsputz bin ich im letzten Jahr nach einem Plan vorgegangen. Und die habe ich auch brav bis zum Ende abgearbeitet. 110 (800x576) Dumm nur, dass dieses Jahr schon wieder alles dreckig ist. Aber nun habe ich ja Übung. Die Blumensamen wollen auch in die Erde. Da bin ich auch ein wenig spät dran, aber auf dem Balkon startet man ja eh nicht so früh. Dieses Jahr habe ich auch nicht so viel Gemüse gesät. Die Erfahrung zeigte mir, dass auf meinem Balkon nicht alles wächst, was ich gerne ernten würde. Und dann ist der Aufwand meist so groß, dass es sich einfach nicht lohnt. Aber Salat, Tomaten, Bohnen, Radieschen, Erdbeeren und ein paar Kräuter werden auch dieses Jahr meinen Speiseplan erweitern. Im Wald wächst gerade nicht sehr viel, was mir schmeckt. Ich freue mich schon auf die Knoblauchrauke. 010 (491x800) Die wächst jetzt schon überall und bleibt dann auch eine Weile. Da pflücke ich mir meist 3-4 Stängel, stelle sie zu Hause ins Wasser und schnibbel die Blätter bei Bedarf in den Salat. Kräuterbutter könnte ich damit auch mal machen. Den ersten Löwenzahn habe ich auch bereits gesehen. 003 (732x800) Bald ist es also Zeit Löwenzahnhonig zuzubereiten! Sind genug Gläser im Haus? Zucker? Zitrone? Das Rezept habe ich letztes Jahr beschrieben. Diesmal werde ich keinen für andere herstellen. Also ran! Hübsch selber machen. Es ist wirklich nicht schwer. Vogelmiere mag ich auch sehr gerne. Sie ist ein sogenanntes Unkraut und wächst an vielen Stellen im Wald. Hier leider fast nur in der Nähe der Waldwege, und damit in der Nähe der Hunde. Aber im Gartencenter habe ich Samen davon gefunden. Diese streue ich hier und da mit in die Kübel. 064 (800x600) Dann kann ich mir sicher sein, dass da kein Hundepipi drauf ist. Die schmeckt wirklich lecker.

Meine Tage sind ausgefüllt. Im Kopf schwirren die Aufgaben durcheinander. Die Winterschuhe muss ich einfetten. Der Regenhut muss imprägniert werden. Das Auto will ich noch waschen. Ein paar Schnittmuster muss ich noch kleben. Will ich doch ein Jahr keine Kleidung mehr kaufen…  Oft fange ich mehrere Sachen gleichzeitig an, fabriziere erst mal mehr Chaos als Ordnung, aber der Wintermief verschwindet immer mehr aus der Wohnung. Die Freude, wenn die ersten Pflänzchen aus den Anzuchtschalen klettern, ist immer groß. Und wenn die Hektik oder die Anstrengung (ich sag nur: Balkon, Steinfliesen schrubben) zu groß wird, hilft eine Runde mit den Hunden durch den Wald. Das Zwitschern der Vögel, Beobachtungen von Rehen 002 (800x600) und Eichhörnchen und der immer kräftigere Duft der von der Sonne erwärmten Erde sind Balsam für die Seele. Die zart grün behauchten Äste der Buchen, die, lichtgrünen Wolken gleich, zwischen den Bäumen zu schweben scheinen, wirken erheiternd. 006 (789x800) Und wenn einen dann noch aus dem leuchtend blauem Himmel ein Sonnenstrahl trifft, dann ist der Stress erst mal vergessen. Dann ist es wieder eine schöne Zeit. 🙂

Ich habe heute ganz vergessen….

…die Mama anzurufen.

Fast jeden Sonntag rufe ich an. Heute habe ich nicht angerufen. Gerade hatte ich mich mit einem Glas Rotwein aufs Sofa gesetzt, bereit für ein wenig Berieselung aus der Flimmerkiste, da ging mir der Gedanke durch den Kopf. Und dann kam die Erkenntnis. Ich kann sie nicht mehr anrufen. Nie wieder. Sie ist nicht mehr da…

Letzten Montag erst, habe ich sie noch besucht. Wir hatten schon länger einen Besuch im Gartencenter geplant. Also haben wir uns verabredet, dass ich sie abhole. Wie immer habe ich vorher noch ein paar Sachen für sie eingekauft. Ein paar Flaschen Wasser, damit sie einen Vorrat zu Hause hat. Dann hatte ich noch einen Apfelkuchen gebacken und ihr einige Stücke in kleinen Portionen eingefroren. Auch aus meinem Vorrat an vorgekochten Gerichten hatte sie sich noch etwas gewünscht. Selber kochen mochte sie nicht mehr so wirklich. Und weil schlechtes Wetter angesagt war, war ich dadurch beruhigt, dass sie versorgt ist. Natürlich warteten dann auch ein paar kleine Aufgaben bei ihr auf mich. Schreibkram, den sie wegen ihrer zittrigen Schrift nicht mehr erledigen konnte. Einiges wanderte in meine Tasche. Sachen, die ich zu Hause erledigen musste. Nächste Woche, wenn sie zum Geburtstag vorbei kommt, wollte sie alles wieder mit heim nehmen. „Würdest du was für mich im Internet bestellen?“ Aber sicher kann ich. „Kannst Du mir die Jogginghose kürzen? Ich habe sie schon abgesteckt.“ Auch das ist kein Problem. „Guck mal, das ist der Pulli, von dem ich dir erzählt habe. Der hat einen hohen Wollanteil. Das andere Zeug vertrage ich ja nicht. Und ich habe noch 50% Rabatt bekommen! Ist der nicht schön?“ Der Pulli ist toll. Und meine Begeisterung steigert ihre Freude noch. Ihr Gesicht strahlt. Dann haben wir uns einen richtig schönen Nachmittag gemacht.

Im Gartencenter haben wir uns alles ganz genau angesehen. Die schönen Dinge haben unsere Phantasie beflügelt, bei den Blumen haben wir von einem Garten geträumt, wo wir das alles anpflanzen könnten. Bei den Christrosen konnte sie nicht vorbei gehen und musste einfach eine mitnehmen. „Wenn ich sie auf den Tisch auf dem Balkon stelle, kann ich sie auch von innen sehen.“ Im Café haben wir uns einen wirklich guten Kuchen gegönnt. Den Sitzplatz hat sie so gewählt, dass sie freie Aussicht auf die Orchideen hatte. „Im Frühjahr, wenn ich genug gespart habe, hole ich mir so eine mit so vielen kleinen Blüten.“ Unser Gespräch handelte auch von der derzeitigen politischen Lage in Deutschland. Die Anschläge haben für ein besorgtes Gefühl gesorgt. Dann haben wir gescherzt, ob es gut wäre, einen Vorrat an Toilettenpapier in den Keller zu stellen. Sie dachte an die letzte schlimme Zeit, die sie erlebt hat. „Ich weiß gar nicht mehr, wie das im Krieg damals war. Als im Plumpsklo überall Zeitungsstücke lagen. Ich kann mich nicht mehr an das Gefühl erinnern.“ Wir waren uns einig, dass sie auf diese Erinnerung ruhig verzichten könne. Frisch gestärkt sind wir dann durch den Weihnachtsmarkt gebummelt. Auch dort fand sie noch ein paar Kleinigkeiten. Sie bat mich noch darum, ein paar Orangenscheiben für die Deko zu trocknen. Ein paar Orangen mit Nelken bestückt, wären sicher auch schön. Auf dem Heimweg habe ich dann gleich Orangen besorgt, damit ich das nicht vergesse. Den Zimmerbrunnen, wegen dem wir eigentlich ins Gartencenter gefahren waren, weil sie im Sommer dort welche gesehen hatte, haben wir nicht bekommen. Aber das war nicht so schlimm. Der Nachmittag war einfach zu schön gewesen.

Ihre Einkäufe habe ich ihr noch in die Wohnung getragen. Noch schnell eben die Blume in der Hängeampel gießen, an die sie nicht mehr ran kommt. Eine liebe Umarmung. „Das müssen wir öfter machen. Das hat richtig gut getan.“ „Du hast Recht Mama. Das war wirklich schön. Wir sehen uns nächsten Mittwoch.“ Schon aus der Tür, drehe ich mich nochmal um. Streichle ihr Gesicht, gebe ihr einen Kuss. „Ich hab dich lieb.“, dann mache ich mich auf den Heimweg. 49 Jahre hat sie mich begleitet. Sie hat mich unterstützt, angetrieben, an mich geglaubt, mich fast zur Verzweiflung gebracht, mir geholfen, meine Begeisterung geteilt und mich nie an ihrer Liebe zu mir zweifeln lassen. Über der Lehne von meinem Schreibtischstuhl hängt der neue Pulli. Sie hat ihn nie getragen. Aber er erinnert mich an die Freude, die sie empfunden hat. Noch tut es schrecklich weh wenn ich daran denke….

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Habe ich nur ein Leben wenn ich Bilder poste?

Viele Jahre haben sie einen Bogen um mich gemacht, aber letzte Woche haben sie mich erwischt. Ich spreche von den fiesen, kleinen, gemeinen Krankheitserregern, welche für schniefige Nasen, bölkenden Husten und unangenehme Halsschmerzen sorgen. Eine äußerst lästige Erkältung nervt mich und behindert meinen Schaffensdrang. Da allein, ohne helfende Hand, dafür mit zwei Hunden im Haus, die penetrant auf ihre täglichen Runden pochen, kann ich mich nicht einfach für drei Tage ins Bett legen und alles auskurieren. In den drei schlimmsten Tagen habe ich aber alles im Haushalt soweit liegen lassen, mich auf mein Sofa unter die Decke gekuschelt, Tee getrunken, Suppe gegessen und vor mich hingedöst. Mehr Energie war einfach nicht da. Allein mein Hirn war aktiv. Und da ging mir ein Artikel nicht mehr aus dem Sinn, über den ich ein paar Tage vorher gestolpert bin.

Die Hauptaussage dieses Artikels war, dass wir Bilder von Erlebnissen in den sozialen Netzwerken posten um zu beweisen, dass wir tatsächlich etwas erlebt haben. Also, habe ich keine Bilder zum zeigen, habe ich nichts erlebt, das Erlebte ist nicht existent. Bilder als Beweis, dass ich ein Leben habe. Stimmt das? Die Frage ließ mich nicht los. Schließlich bin ich ein leidenschaftlicher „Knipser“. Situationen, schöne Momente oder Ereignisse in einem Bild einzufangen, hat mir schon immer Freude gemacht. Als Teenie noch mit meiner „Ritsch-Ratsch-Klick“ (Kennt die Kamera noch einer?), dann mit einer Spiegelreflex Kamera. Letztere war ein ziemlich schweres und klobiges Teil. Besonders wenn auch noch ein Teleobjektiv aufgeschraubt war. Das Teil hat mich nicht nur nach Canada und Alaska begleitet, sondern auch auf fast jedem Spaziergang mit dem Hund. Mein besonderer Ehrgeiz, damals wie heute, war es dabei, trotz Hund den Wildtieren so nahe wie möglich zu kommen um ein schönes Foto von diesen zu machen. Oder auch die Schönheit einer grazilen Blüte einzufangen. Ich finde es wichtig, in unserer hektischen Zeit einfach mal inne zu halten, sich auf das Jetzt, den Moment zu konzentrieren und das zu sehen, was uns umgibt. Oft übersehen wir die Schönheit vor unserer Nase, welche aber das Herz erfreut und uns zur Ruhe kommen lässt. Mit den alten Kameras war das oft eine ziemliche Herausforderung. Es dauert halt, bis sie richtig eingestellt ist, die Schärfe stimmt oder der Bildausschnitt. Und dann hat der Transport des Filmes auch meist gedauert. Ob das Foto etwas geworden ist, sah man auch erst wenn die Bilder entwickelt worden sind. Meine kleine Digitalkamera macht es da einem doch viel leichter. Nicht nur das Gewicht und die Größe sind praktisch, auch kann ich sie mit einer Hand aus der Tasche angeln und bedienen, während ich oft mit der anderen Hand zwei Hunde halten muss, welche nur zu gerne das anvisierte Objekt jagen möchten. Ich kann mehrere Bilder hintereinander machen, sie mir anschließend direkt angucken und zu Hause am PC auch noch bearbeiten. Gute Bilder machen ist für viele Menschen sehr einfach geworden. Und günstiger als früher ist es auch.

Aber wieso zeigen wir Bilder? Klar, zum einen, weil wir damit angeben wollen. Sieh hier, ich habe das und das erlebt, du aber nicht. Ätschibätsch. Es ist schließlich ein besonderes Gefühl etwas erlebt zu haben, wie eine Reise, wovon andere nur träumen können. Nur sind Diavorträge aus der Mode gekommen. Also zeigen wir sie auf facebook oder instagram und wie die Seiten noch alle heißen. Da kann dann selbst das Bild von einem leckeren Essen bei anderen Neid hervorrufen. Und es gibt schlimmeres, als beneidet zu werden. Oder? Bei den meisten, so hoffe ich zumindest, ist es aber so, dass sie andere einfach an ihrer Freude teilhaben lassen wollen. Sieh hier, das ist so schön! Und wenn ich dich schon nicht dabei habe, dann kannst du wenigstens durch die Bilder ein wenig miterleben. Und je mehr Menschen wir etwas zeigen können, desto größer sollte die verteilte Freude sein. Denn wenn ich so darüber nachdenke, viele haben meine Bilder früher nicht gesehen. Da waren es ehe Erinnerungen für mich persönlich. Das Betrachten der Bilder versetzt einen in die Stimmung des festgehaltenen Moments. Sie zaubern ein Lächeln ins Gesicht, oder lassen die eine oder andere Träne kullern. Viele Wälder auf meinen alten Fotos existieren nicht mehr, die Landschaft hat sich verändert. Ich war ein Zeitzeuge und die Bilder dokumentieren das. Aber selbst wenn ich die Bilder nicht gemacht hätte, hätte ich den schönen Anblick genossen, die Veränderung erlebt. Deswegen muss ich die Bilder nicht zeigen. Ich kann mich an manches erinnern, wo ich sogar absichtlich keine Fotos geschossen habe. Einfach, weil ich die Erinnerung ganz für mich haben wollte. Es gibt Dinge, die behält man einfach im Herzen. Oder so wie neulich, als plötzlich ein Fuchs vor uns auf den Weg raus kam. Plötzlich stand er da, ca. 3 m vor den Hunden. In der allgemeinen Schrecksekunde hatte ich keine Chance die Kamera aus der Tasche zu holen. Und dann hatte ich genug damit zu tun die Hunde festzuhalten. Hätte ich dieses Bild gerne festgehalten und gezeigt? Klar! Eben weil es ein zauberhafter Moment gewesen ist. Aber auch ohne bildlichen Beweis habe ich es erlebt. Die noch junge Erinnerung lässt mein Herz einen Hauch schneller schlagen, und die Begeisterung darüber, einem so schönen Tier so nahe zu begegnen hebt die Laune. Ich glaube sogar, dass das Erlebte ohne Bild noch viel wertvoller ist, da ich das ohne Ablenkung in mich aufgenommen habe. Ich war ganz da.

Ich muss also keine Bilder veröffentlichen um zu beweisen, dass ich existiere. Und das Erlebte existiert ebenfalls. Also werde ich weiter Fotos machen, eben weil ich schöne Dinge teilen will um andere damit zu erfreuen. Geteilte Freude ist doppelte Freude, nicht wahr? Ich mache Bilder um besser erklären zu können. Und ich mache Bilder weil ich stolz auf etwas bin. Und das zu zeigen macht einfach Spaß, was als Grund eigentlich völlig ausreichend ist. 🙂  039 (800x474)

Habe ich Eichhörnchengene?

Der Kalender sagt, es ist jetzt Herbst. 007.2 (800x579) Gerade erst war Tag-und-Nacht-Gleiche. Der Tag und die Nacht waren genau gleich lang. Nun werden die Nächte langsam immer länger, bis kurz vor Heilig Abend, wo wir den kürzesten Tag und die längste Nacht erleben. Immer öfter zünde ich am Abend eine Kerze an, weil Kerzenlicht einfach gemütlicher wirkt. Das Strickzeug wird wieder raus geholt und hin und wieder kuschel ich mich vorm Fernseher unter eine Decke. Die Bettwäsche ist von kühler Baumwolle zu wärmendem Flanell gewechselt, genau wie das luftige Top dem langärmeligen Shirt gewichen ist.

Alles ganz normal. Nur in einem Bereich scheine ich mich von vielen Menschen zu unterscheiden. Nämlich in meinem emsigen Bemühen Wintervorräte anzulegen. Es ist ein inneres Bedürfnis, dem ich da Folge leiste. Ein richtiger Drang, der mich raus in den Wald treibt, damit ich essbares sammel. 016 (800x730) Pilze, welche ich auf der Hunderunde finde, wandern in den Beutel, um zu Hause klein geschnipselt auf der Heizung zu trocknen, um irgendwann eine Bratensoße oder Suppe zu bereichern. 042 (800x524) Holunderbeeren wandern abgewogen in Beutel gepackt in den Tiefkühler, bis ich Zeit finde um daraus Saft, und aus diesem Likör oder Gelee zu machen. Oder er wird direkt mit heißem Wasser aufgegossen und als Abwehr gegen Erkältungen getrunken. Die Hagebutten lachen mich auch gerade an, und ich wollte schon immer mal Marmelade daraus machen… Finde ich kleine Baumpilze, Eicheln 001 (800x600), oder schön geformte Zapfen, dann wandern die auch in meine Tasche. Diese werden irgendwann in Bastelmaterial umfunktioniert.

Auch im Garten wird geerntet. Nun ja, meinen Balkon kann man nicht wirklich Garten nennen, aber auch dort sind ein paar Sachen gewachsen. 017 (740x800) Die Bohnen habe ich blanchiert und eingefroren. Ob sie in eine Suppe wandern, oder zur Beilage werden, ist noch nicht entschieden. Aus den paar Tomaten und einer Handvoll Möhren wurde eine leckere Soße für spätere Pastagerichte. Die nicht winterfesten Kräuter wollen auch noch geerntet und getrocknet, oder eingefroren werden. Das, was nicht bei mir wächst, gibt es gerade günstig zu kaufen. Und wenn das Wetter zu schlecht ist für Aktivitäten an frischer Luft, dann wird in der Küche geschnipselt, gehackt, geputzt und gekocht. Und das nur um die Tiefkühltruhe 005 (800x771), die nach dreimonatiger Pause wieder läuft, voll zu machen. Oder um ein paar Gläser mit eingemachten Dingen ins Regal zu stellen.

Ich bin eben emsig wie die Eichhörnchen. Dabei ist es doch eigentlich gar nicht nötig. Nicht in dieser unserer heutigen Zeit. Der Supermarkt ist ganz in der Nähe und ständig gut gefüllt mit allem was man braucht. An der Heizung muss ich nur den Regler etwas drehen, und schon wird es warm. Trotzdem beneide ich jeden, der einen Holzstapel vor der Türe oder im Schuppen hat, um damit einen Kamin oder Ofen zu befüllen. Was also ist es, dass mich jedes Jahr aufs neue antreibt? Habe ich wirklich Eichhörnchengene? Oder ist es schlicht das Erbe meiner Vorfahren, das in mir schlummert? Oder habe ich die Angewohnheit gar aus einem früheren Leben? 😉 Immerhin weiß ich mittlerweile, dass ich nicht alleine bin. Die Gruppe der Selbstversorger wird immer größer. Im Social Media werden immer öfter alte Rezepte zum einmachen getauscht und Wissen über essbare Pflanzen und Gemüseanbau weiter gegeben.

Der Antrieb dieser Menschen ist nicht nur dieser innere Drang, wie bei mir. Es ist auch das befriedigende Gefühl etwas mit seinen eigenen Händen geschaffen zu haben. Das Wissen, was man da isst, ohne E-Nummern und Konservierungsstoffe. Was man nicht mag, wird aussortiert. 020 (800x600) Echter Geschmack auf der Zunge, und nicht der künstlich, gleichgeschaltete. Es ist dieses Gefühl, über etwas Kontrolle zu haben, in einer Welt, die wir immer weniger überblicken. Nicht nur Rädchen im Getriebe, sondern in diesem einen Bereich selbstbestimmt zu handeln und unabhängig zu sein. Es gibt einem sehr viel Selbstbewusstsein zu wissen, dass man für sich und seine Lieben sorgen kann. Und schlussendlich ist es die Freude am Tun. Deswegen werde ich mir jetzt auch meine Hunde schnappen und wieder einmal im Wald nach Schätzen suchen. Und vermutlich werden wir auch ein paar Eichhörnchen beobachten können. 🙂

Und plötzlich ist Spätsommer…

Hat irgend jemand gemerkt, wie die Zeit verstrichen ist? Also mir ist das erst jetzt aufgefallen, als ich ein Eichhörnchen beim sammeln von Vorräten beobachtet habe….

Nach einem kalten und nassen Frühjahr musste ich mich beeilen, damit ich meinen Balkon bepflanzt kriege. Einiges hatte ich angesät, welches dringend in die Erde musste. Eine Weile sah es dann so aus, dass nur meine Kartoffel wachsen würden 003 (451x800) , aber nach und nach wurde es auch in den anderen Töpfen immer grüner. 022 (542x800)

Der erste Salat mit selbst gezogenen Radieschen war dann auch wieder ein besonderes Geschmackserlebnis. 073 (800x600) Gewürzt mit pfeffriger Kapuzinerkresse, intensivem Schnittknoblauch und dekoriert mit einigen Blättern des Gulan, der Pflanze des ewigen Lebens. Besonderes Essen ist genauso belebend wie die Sonne. Endlich wieder lange Spaziergänge in Wald und Feld. Mit der Kamera habe ich versucht einzufangen, wie sich die Natur nach und nach verändert. Gerade hat der Löwenzahn die Wiesen in kräftiges Gelb getaucht, da sind sie plötzlich von rosa Wolken aus Wiesenschaumkraut überhaucht. Das Gelb ist dann zwischenzeitlich in die Wälder gezogen. 014 (800x423) Genauer gesagt, an die Waldränder und -rodungen. Der Ginster hat überall fast gleichzeitig angefangen zu blühen. Der Ginster wiederum wurde vom Holunder abgelöst. 046 (800x600)

Dazwischen immer neue Blumen und Kräuter, die mit ihren bunten Farben das Auge erfreuen. Die Luft war erfüllt von dem ständigen Summen der vielen Insekten, welche von den Farben angelockt werden. Als der Holunder anfing zu blühen, kam dann die Hitzewelle. Das bedeutet für Hundebesitzer wie mich, im Morgengrauen aufzustehen um die Morgenfrische für einen langen Spaziergang zu nutzen. Die ersten warmen Sonnenstrahlen fangen dabei den intensiven Blütenduft ein und man wird in süße Duftwolken gehüllt. Dazu mischt sich immer mal wieder der Geruch von frisch gemähtem Gras. Die Heuernte war gut in diesem Jahr.

Die Tage über war ich dann meist damit beschäftigt, die Hitze aus der Wohnung fern zu halten und die Hunde abzukühlen. Unterm Dach keine leichte Aufgabe. Die ersten Gewitter waren dann auch eine willkommene Abkühlung. Mit dem Regen zog auch ein neuer Duft in die Wälder. 008 (800x600) Der Duft nach Grün, der Geruch nach Hochsommer. Beim Spaziergang war dann auch wieder naschen möglich. Erst kamen die Waldbeeren , dann süße Himbeeren. Die ersten Brombeeren 050 (2) (800x504) haben schließlich den Spätsommer eingeläutet. Auch ein paar Pfifferlinge haben schon vorwitzig die Köpfe aus der Erde gestreckt.

Und zwischendrin, mitten in all dem Grün und den bunten Blüten, war der Wald voller Leben 018 (800x600). Man konnte Kitze beobachten, 035 (800x641) die spielerisch die Welt entdeckten. Ist man sehr früh oder spät unterwegs, erwischt man schon mal ein paar Jungfüchse beim toben. Oder kann Mama Fuchs 036 (800x545) beim Mausen auf der Wiese zusehen. Dann wieder wird man erschreckt, weil plötzlich vor einem eine Reh aus den Büschen springt. Gefolgt von einem Rehbock, welcher sie in blindem Fortpflanzungstrieb durch die Büsche jagt. Der Bock treibt die Ricke, bis sie zur Paarung bereit ist 019 (800x389). Mal passiert es, dass plötzlich ein junger Vogel sich bei den ersten Flugversuchen überschätzt und einem fast vor die Füße „fällt“. Die Hunde finden das immer ganz toll, und es bedarf echter Anstrengung, sie davon abzuhalten, sich das näher anzusehen. Das flatternde Etwas ist sicher genau so interessant wie Maus, die über den Weg huscht. Oder das sich kringelnde Ding (Blindschleiche), was da im im Gras kriecht 020 (800x494).

In meinem Bestreben, die einzelnen Begebenheiten zu dokumentieren, Pflanzen zu bestimmen und mit der Kamera festzuhalten, oder einfach nur die Tierwelt zu beobachten, habe ich mich in der Zeit regelrecht verloren. Ich laufe schon viele, viele Jahre in den Wäldern hier rum, kenne eigentlich alles, aber ich glaube, ich habe noch nie so intensiv den Sommer erlebt wie dieses Jahr. Und das hat mir deutlich gezeigt, dass es in der Natur nie langweilig wird. Weshalb ich auch viele interessante Geschichten gesammelt habe, welche ich sicher auch noch alle erzählen werde 🙂

Womit fange ich an??

Die Idee, mein Leben, oder Teile davon zu ändern, war ja nun eine ziemlich schnelle Entscheidung gewesen. Nur wenn ich mich so umsehe, dann weiß ich nicht, was ich zuerst machen soll. Einfach in einer Ecke anfangen. Klar. Aber in welcher? Was ist am wichtigsten? Oder was ist praktischer?

Die Natur hat mir mal wieder den richtigen Rat gegeben. Diese Woche erst ist Sturmtief Niklas über Deutschland hinweg gezogen. Natürlich ist ein Sturm, und die damit einhergehende Zerstörung nicht schön, aber in der Natur doch notwendig. Denn es wird dabei aufgeräumt. Lose und tote Äste werden aus den Bäumen gefegt, umgestürzte Bäume schaffen freie Flächen, was Licht und Platz für neue Pflanzen bedeutet. Sturmschäden

Ein Sturm ist also wie ein Frühjahrsputz. Was der kann, kann ich auch. Zum einen passt es zur Jahreszeit. Zum anderen verschwindet der Wintermief aus der Bude. Und obendrein gewinne ich einen Überblick über meinen Besitz. Schließlich hat sich über viele Jahre einiges an Kram angesammelt. Was davon benutze ich? Was hat ideellen Wert? Ist es praktisch nutzbar? Brauche ich es wirklich? Falls nicht, ist es wertvoll? Kann ich es eventuell verkaufen? Was muss ersetzt werden? Das wird wohl mehr, als nur ein einfacher Frühjahrsputz werden. Aber das ist gut. Es wird nicht nur eine Reinigung im Außen, sondern auch ein Ordnen im Innern. Letzteres wird sich wohl über das Jahr hin ziehen.

Nachdem die ersten lauen Frühlingsdüfte mich zum aussäen einiger Pflanzen angeregt hat Anzucht , steht als erstes die Balkonreinigung auf der Liste. Und dann? Das weiß ich noch nicht. Also ziehe ich mich jetzt in die Ruhe der Feiertage zurück und arbeite diese Liste aus. Ich muss ja was zu berichten haben!