365 Tage ohne – Die erste Woche

Vor einigen Jahren hatte ich einen Freund. Er war Holländer und wollte mich, obwohl wir noch nicht so lange zusammen waren, unbedingt zu sich nach Holland holen. Während wir also darüber sprachen, Pläne machten, Platz in seinem Haus schafften, eine Sprachschule besuchten usw., fiel folgender Satz: „Wenn du hier erst mal eine richtige Arbeit hast und Geld verdienst, musst du auch nicht mehr so viel nähen.“ Nach diesem Satz gab es erst mal einen kleinen Streit. Zum einen war ich natürlich entrüstet, dass er meine Arbeit als Verkäuferin beim Discounter nicht als richtige Arbeit ansah. Und dann war ich darüber entsetzt, dass er mich für „ärmlich“ hielt. Vom fehlenden Verständnis dafür, dass ich gerne kreativ tätig bin, mal ganz abgesehen. Aber wie viele denken ebenso über das Selbermachen? Spart selber nähen Geld? Diese Frage ging mir in dieser ersten Woche der 365-Tage-ohne Challenge durch den Kopf. (Weswegen ich mich wohl auch an dieses Gespräch erinnerte.) Und, lohnt es sich, seine Kleidung selber zu nähen?

Viel Zeit hatte ich in dieser Woche nicht. Da kam es mir ganz gelegen, dass ich hier noch ein zugeschnittenes T-Shirt lag, welches ich noch zusammennähen musste. Ein Kimono Tee von Maria Denmark. Den Schnitt bekommt man kostenlos wenn man sich dort zum Newsletter einträgt. Ein schlichtes Shirt, für Anfänger geeignet. Den Stoff hatte ich vom Holländischen Stoffmarkt. Es war ein sogenannter Coupon, ein abgemessenes und geschnittenes Stück Stoff. Nimmt man zwei Stücke, kostet das einzelne 5 Euronen. Hier hatte ich zumindest schon mal gespart. Allerdings bleibt die Herstellung des Stoffes im dunkeln. Das Shirt war für mich auch wieder eine Gelegenheit an der Overlock zu üben. Prompt ist mir dann auch ein Faden wo raus gesprungen. Nix ging mehr. Es hat etwas gedauert, bis ich wieder alles am richtigen Platz hatte. 016 (800x761) Ohne Brille und Taschenlampe ging da nichts. Aber wenn sie dann läuft, 018 (800x655) dann schnurrt sie lautstark und näht ratzfatz alle Teile zusammen.  Auch versäubern ist einfach mit der Ovi. 024 (800x494) Das sieht einfach viel ordentlicher aus. Zum absteppen geht es dann an die normale Haushaltsnähmaschine. 026 (795x800) Dieser eine Zierstich hat es mir gerade angetan. 028 (800x600) Dehnbar, und wegen seiner Form fällt es nicht so auf wenn die Naht etwas schief gerät. Mit Jersey muss ich mich nämlich auch noch anfreunden. Aber nun kann ich stolz mein erstes Kleidungsstück zur 365-Tage-ohne Challenge präsentieren. 031 (672x800) Beim nächsten Mal würde ich nur den Halsausschnitt etwas verkleinern. Der ist mir etwas zu weit. Ansonsten bin ich sehr zufrieden mit meinem Werk!

Hat sich die Arbeit nun gerechnet? Ich hatte zwei Nähmaschinen in Gebrauch. Wenigstens eine Haushaltsnähmaschine ist zum nähen notwendig und muss erst mal bezahlt werden. Der Stoff war diesmal ein Schnäppchen. Normal kostet ein Meter qualitativ guter Jersey zwischen 10 und 20 Euro. Dann braucht es noch Nähmaschinennadeln, Nähgarn, Stecknadeln und Schneiderschere. Das Schnittmuster hat nichts gekostet. Knöpfe oder Reißverschluss brauchte ich auch nicht. Kleinigkeiten, die gerne ins Geld gehen. Dazu noch die Arbeitszeit. Der Stoff wurde vorgewaschen und gebügelt. Unterm Strich ist also ein Shirt vom Grabbeltisch im Discounter deutlich günstiger. Dafür läuft nicht jeder zweite mit diesem Shirt durch die Gegend. Qualitativ ist es auch besser, wodurch es länger halten wird. Dann bin ich stolz auf mich. Die Befriedigung, etwas mit seinen eigenen Händen zu schaffen, tut gut und es gibt Selbstvertrauen. Dann schärft es den Blick dafür, was einem gefällt. Statt x Schrankleichen, hat man am Ende ausgewählte Kleidungsstücke im Schrank, die man auch tatsächlich trägt. Sparen kann man nicht immer wenn man selber näht, aber es lohnt sich. Schon wegen der Freude, die man nach der Fertigstellung empfindet! 🙂

Wer mitmachen will, der kommt am besten in die facebook Gruppe: https://www.facebook.com/groups/1536612449975408/

Wer mag, kann auch mal auf folgenden Blogs lesen:

#365tageohne

365 Tage ohne…

Oder: Wie ich meine Welt verändere. Na, verwirrt? 😀  Dann will ich mal ein bissel Klarheit in die Sache bringen. 12961352_985355284847340_7100870693055251926_o

In einer facebook-Gruppe bin ich letzte Woche über einen Aufruf von Kristin von PiexSu gestolpert. Ein Aufruf zu einer Challenge. Ziel dieser Challenge ist es 365 Tage keine Klamotten zu kaufen. Statt dessen soll die Kleidung genäht werden. Wieso sie diese Challenge gestartet hat, erklärt sie wunderbar auf ihrer Seite. Dort ist auch dieses Video zu sehen, für die, die nicht so gerne lesen. Wer mitmachen will, für den gibt es eine kleine fb-Gruppe. Dort kann nicht nur gequatscht werden, man bekommt auch Hilfe und Unterstützung. Zudem gibt es auch schon Unterstützer, welche den Gruppenmitgliedern Rabatt in ihren Shops anbieten. Gerade jetzt läuft auch ein kleines Gewinnspiel. Natürlich werden dort in der Gruppe auch alle offenen Fragen beantwortet. Der Start der Challenge ist heute, Montag, der 18.04.2016. Jeden Montag bis nächstes Jahr wird über die Fortschritte geredet, genähte Kleidung gezeigt und über die Erfahrungen berichtet.

Wie verändere ich damit aber meine kleine Welt? Nun, wer selber näht und handarbeitet, kommt irgendwann nicht darum herum über gewisse Dinge nachzudenken. Darüber, dass in einer Welt mit endlichen Ressourcen kein unendliches Wachstum möglich ist. Konsum scheint der Antrieb unserer Wirtschaft zu sein. Um die Menschen zum kaufen zu bewegen, werden die Sachen immer billiger. Damit die Umsätze der Unternehmen aber weiter wachsen können, wird woanders gespart. Bei den Menschen. Die Arbeiter werden immer weiter ausgebeutet. Und wenn das hier bei uns nicht möglich ist, geht man dahin, wo die Menschen noch mehr ausgenutzt werden können. In Sachen Kleidung ist das z.B. in Bangladesch oder China der Fall. Leider nutzt es auch nicht unbedingt wenn man nur noch Markenkleidung kauft, statt in einen Klamottendiscounter zu gehen. Denn sehr oft werden die Teile in der gleichen Fabrik, unter den gleichen Bedingungen hergestellt. Und die kleine Näherin hat davon nicht mehr in der Börse. Trotz allem kann unser Konsumverhalten ein wenig ändern. Wer selber näht, häkelt oder strickt achtet nach einiger Zeit immer bewusster auf die Herkunft und die Qualität der Materialien. Und wenn immer mehr anfangen, darauf zu achten, deswegen nicht mehr kaufen, sondern selber machen, oder bewusster einkaufen, ändert sich vielleicht auch irgendwann der Umgang mit den Menschen und der schönen blauen Kugel, auf der wir leben. Anfangen können wir nur vor unserer Haustür, bei uns selber. Eben in unserer kleinen Welt. Im kleinen anfangen etwas zu ändern, unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten nutzen, soweit es uns möglich ist. Deswegen finde ich die Idee der Challenge einfach gut.

Zusätzlich ist es ein ganz toller Anreiz für mich persönlich. Will ich doch schon lange mehr für mich selber nähen. Ich träume von Kleidung die mir wirklich passt, die individuell ist, in der ich mich wohl fühle. Diese finde ich aber nur selten in den Geschäften. Natürlich gibt es für mich Grenzen. Zu den von Kristin aufgeführten Ausnahmen, zähle ich z.B. noch Jeanshosen. Überhaupt finde ich Hosen nicht einfach zu nähen. Diese werde ich wohl weiter kaufen. Aber ich werde mich auch an das Thema ran tasten. Wer weiß, vielleicht lerne ich ja noch was? Zuerst aber hätte ich gerne ein paar neue Shirts. Und der Rock vom letzten Jahr soll auch nicht alleine bleiben. Vermutlich werde ich es nicht schaffen, jeden Montag etwas zu berichten, aber ich werde mich anstrengen, dass ich so oft wie möglich zu der Challenge etwas beizutragen habe. Dann freue ich mich jetzt auf ein interessantes Jahr!