Habe ich Eichhörnchengene?

Der Kalender sagt, es ist jetzt Herbst. 007.2 (800x579) Gerade erst war Tag-und-Nacht-Gleiche. Der Tag und die Nacht waren genau gleich lang. Nun werden die Nächte langsam immer länger, bis kurz vor Heilig Abend, wo wir den kürzesten Tag und die längste Nacht erleben. Immer öfter zünde ich am Abend eine Kerze an, weil Kerzenlicht einfach gemütlicher wirkt. Das Strickzeug wird wieder raus geholt und hin und wieder kuschel ich mich vorm Fernseher unter eine Decke. Die Bettwäsche ist von kühler Baumwolle zu wärmendem Flanell gewechselt, genau wie das luftige Top dem langärmeligen Shirt gewichen ist.

Alles ganz normal. Nur in einem Bereich scheine ich mich von vielen Menschen zu unterscheiden. Nämlich in meinem emsigen Bemühen Wintervorräte anzulegen. Es ist ein inneres Bedürfnis, dem ich da Folge leiste. Ein richtiger Drang, der mich raus in den Wald treibt, damit ich essbares sammel. 016 (800x730) Pilze, welche ich auf der Hunderunde finde, wandern in den Beutel, um zu Hause klein geschnipselt auf der Heizung zu trocknen, um irgendwann eine Bratensoße oder Suppe zu bereichern. 042 (800x524) Holunderbeeren wandern abgewogen in Beutel gepackt in den Tiefkühler, bis ich Zeit finde um daraus Saft, und aus diesem Likör oder Gelee zu machen. Oder er wird direkt mit heißem Wasser aufgegossen und als Abwehr gegen Erkältungen getrunken. Die Hagebutten lachen mich auch gerade an, und ich wollte schon immer mal Marmelade daraus machen… Finde ich kleine Baumpilze, Eicheln 001 (800x600), oder schön geformte Zapfen, dann wandern die auch in meine Tasche. Diese werden irgendwann in Bastelmaterial umfunktioniert.

Auch im Garten wird geerntet. Nun ja, meinen Balkon kann man nicht wirklich Garten nennen, aber auch dort sind ein paar Sachen gewachsen. 017 (740x800) Die Bohnen habe ich blanchiert und eingefroren. Ob sie in eine Suppe wandern, oder zur Beilage werden, ist noch nicht entschieden. Aus den paar Tomaten und einer Handvoll Möhren wurde eine leckere Soße für spätere Pastagerichte. Die nicht winterfesten Kräuter wollen auch noch geerntet und getrocknet, oder eingefroren werden. Das, was nicht bei mir wächst, gibt es gerade günstig zu kaufen. Und wenn das Wetter zu schlecht ist für Aktivitäten an frischer Luft, dann wird in der Küche geschnipselt, gehackt, geputzt und gekocht. Und das nur um die Tiefkühltruhe 005 (800x771), die nach dreimonatiger Pause wieder läuft, voll zu machen. Oder um ein paar Gläser mit eingemachten Dingen ins Regal zu stellen.

Ich bin eben emsig wie die Eichhörnchen. Dabei ist es doch eigentlich gar nicht nötig. Nicht in dieser unserer heutigen Zeit. Der Supermarkt ist ganz in der Nähe und ständig gut gefüllt mit allem was man braucht. An der Heizung muss ich nur den Regler etwas drehen, und schon wird es warm. Trotzdem beneide ich jeden, der einen Holzstapel vor der Türe oder im Schuppen hat, um damit einen Kamin oder Ofen zu befüllen. Was also ist es, dass mich jedes Jahr aufs neue antreibt? Habe ich wirklich Eichhörnchengene? Oder ist es schlicht das Erbe meiner Vorfahren, das in mir schlummert? Oder habe ich die Angewohnheit gar aus einem früheren Leben? 😉 Immerhin weiß ich mittlerweile, dass ich nicht alleine bin. Die Gruppe der Selbstversorger wird immer größer. Im Social Media werden immer öfter alte Rezepte zum einmachen getauscht und Wissen über essbare Pflanzen und Gemüseanbau weiter gegeben.

Der Antrieb dieser Menschen ist nicht nur dieser innere Drang, wie bei mir. Es ist auch das befriedigende Gefühl etwas mit seinen eigenen Händen geschaffen zu haben. Das Wissen, was man da isst, ohne E-Nummern und Konservierungsstoffe. Was man nicht mag, wird aussortiert. 020 (800x600) Echter Geschmack auf der Zunge, und nicht der künstlich, gleichgeschaltete. Es ist dieses Gefühl, über etwas Kontrolle zu haben, in einer Welt, die wir immer weniger überblicken. Nicht nur Rädchen im Getriebe, sondern in diesem einen Bereich selbstbestimmt zu handeln und unabhängig zu sein. Es gibt einem sehr viel Selbstbewusstsein zu wissen, dass man für sich und seine Lieben sorgen kann. Und schlussendlich ist es die Freude am Tun. Deswegen werde ich mir jetzt auch meine Hunde schnappen und wieder einmal im Wald nach Schätzen suchen. Und vermutlich werden wir auch ein paar Eichhörnchen beobachten können. 🙂

Salat mit Giersch

Darf ich vorstellen: Das ist Giersch.  096 (800x600) Bis vor kurzem wusste ich auch noch nicht, wie Giersch aussieht. Irrtümlicherweise dachte ich, dass ein unscheinbares Pflänzchen, welches sich in meine Blumenkästen eingeschlichen hat, besagter Giersch wäre, aber da lag ich komplett falsch. Nachdem ich öfter Beschwerden von Gärtnern gehört hatte, dass sich der Giersch in ihren Beeten ausbreitet, bin ich irgendwie meiner fälschlichen Annahme erlegen…. Nun, ich lerne aber dazu.

Für viele ist Giersch ein Unkraut. Besonders, da man ihn nur schwer aus seinem Garten oder Beet wieder raus bekommt. Denn er vermehrt sich nicht nur über die Samenbildung, sondern auch über Rhizomen, also unterirdisch wie der Bambus. Da es aber nun keine wirklichen Unkräuter gibt, sondern es ehe Beikräuter sind, haben sich einige Gärtner gedacht „Wenn du den Feind nicht besiegen kannst, dann iss ihn halt auf“. Ein alter Name für Giersch lautet auch „Zipperleinskraut“, was darauf schließen lässt, dass es sogar tatsächlich nützlich ist, ihn zu essen. Ein Tee aus Giersch, egal ob getrocknet oder frisch, soll gegen Rheuma und Gicht helfen. Der frische Saft aus einem zerriebenen Blatt soll den Juckreiz nach Insektenstichen lindern. Und als Salat oder Spinat wird er als Frühjahrs-Entschlackungskur angepriesen. Es gibt einige Möglichkeiten diese Pflanze zu nutzen. Ich habe mich erst mal an einen Salat versucht.

Vor dem Genuss kommt aber erst mal das sammeln. Also zeige ich hier den Giersch nochmal ganz genau. 097 (632x640) Hierbei kann man auch sehen, wieso er manchmal auch Dreiblatt genannt wird. Ob man tatsächlich die richtige Pflanze hat, kann man sehr deutlich an der Stielform erkennen. 099 (640x485) Diese bildet nämlich ein deutliches Dreieck. Für den Salat habe ich mir die jungen Blätter ausgesucht. 102 (640x480) Junge Löwenzahnblätter sollen ja auch schmecken. 104 (640x529) Nebenher noch ein bisschen Wiesenschaumkraut für die Vase gepflückt, 106 (640x623) und vom Rotklee auch noch etwas in den Korb geworfen. 109 (640x480) Das alles sollte einen herzhaft, würzigen Salat ergeben.

Nun muss ich aber etwas zurück rudern. Zu Hause habe ich ein Blatt von dem Giersch gegessen. Er hatte einen leichten, bitteren Geschmack. Nicht sehr kräftig, für meine Geschmacksnerven allerdings nicht so geeignet. Ich höre und lese öfters, dass man sich an die Bitterstoffe in den Wildkräutern erst wieder gewöhnen muss. Anscheinend gehöre ich zu denen, die das Bittere nicht so mögen. Also habe ich den Giersch im Salat reduziert und unter einfachen Eisbergsalat gemischt. 112 (800x728) Es sah immer noch einladend, appetitlich aus! Und weil ich gerade in Probierlaune war, habe ich mir gleich noch eine Süßkartoffel gekocht, da ich diese auch noch nie gekostet hatte. Ein paar Spiegeleier dazu, und fertig war meine Mahlzeit. 114 (800x793)

Resümee: Der Giersch im Salat und ich werden wohl keine echten Freunde werden. Genauso wenig wie der Löwenzahn. Nicht nur der Geschmack ist nicht wirklich meins, auch mag ich es nicht wenn die zarten Blätter im Mund oben am Gaumen kleben bleiben. Ein Gefühl, welches ich als unangenehm empfinde. Was ich mir aber vorstellen könnte, ist, die Blätter sehr klein zu schneiden und in das Salatdressing zu mischen. Das mache ich schon mit anderen Wildkräutern (dazu ein anderes Mal mehr), und der Geschmack des Dressings wird dadurch voller und würziger. So nimmt man vielleicht nicht so viele Kräuter zu sich, aber immerhin ein paar. Zur Süßkartoffel lässt sich noch sagen, dass sie tatsächlich süß ist. Ihr Geschmack erinnert an eine sehr süße Karotte, mit der Konsistenz einer sehr mehligen Kartoffel. Und so hart sie am Anfang ist, so schnell ist sie weich gekocht. Ich könnte sie mir gut als weitere Zutat in einem Möhren-Kartoffel-Eintopf vorstellen. Ich mag es nämlich wenn dieser ein wenig „pampiger“ ist. Vielleicht mag sie auch eine kräftige Bratensoße. Nur zu Salat und Spiegeleiern passt sie, nach meinem Empfinden, nicht wirklich. Aber ich bin satt geworden. Auch wenn ich mir beim sammeln gehörig Appetit geholt habe, so habe ich den Teller nicht leer bekommen.

Nun gut, aus Giersch soll man auch gut Spinat kochen können. Vielleicht ist das ehe mein Geschmack. Das probiere ich dann das nächste Mal aus. So schnell ist das Kraut sicher nicht „alle“  🙂  101 (800x600)