Was wächst denn da? – Das Scharbockskraut

Auf dem Kalender und bei den Meteorologen ist schon lange Frühlingsanfang, jedoch hat sich die Natur bisher nicht an diese Termine gehalten. Es ist Ende März und der Boden ist immer noch gefroren bei uns. Aber so langsam scheint es doch wärmer zu werden. Die Vögel sind jedenfalls schon aufgeregt Nistmaterial am sammeln. Schneeglöckchen und Krokus ziehen sich allmählich zurück. Jetzt kommt die Zeit des ersten Grüns und der Kräuter.

Noch im letzten Jahr war ich sehr niedergeschlagen, als mir klar wurde, dass ich einfach nicht das Auge für die verschiedenen Pflanzen und Kräuter habe. Mir fehlt einfach die Erfahrung und die Schulung. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich kein Fan von Bitterstoffen bin. Und viele Kräuter schmecken halt etwas bitter. Also habe ich beschlossen, dass ich meine von mir genutzten Kräuter eben auf dem Balkon züchte. Dort kann ich sie wenigstens auseinander halten. Und wenn nicht, kommen Schildchen in die Töpfe. 😉

Dann habe ich meine Bilder sortiert und überrascht festgestellt, dass ich doch ein paar Pflanzen kenne. Sogar mehr, als ich gedacht habe. Deswegen mache ich es so, wie ich es früher mit den Pilzen gemacht habe. Das, was ich kenne, lerne ich noch besser kennen, damit ich gut darüber bescheid weiß. Bei dieser Art Studium fallen einem die Kleinigkeiten auf, die die eine Pflanze von der anderen unterscheidet. Und schon lernt man ein weiteres Gewächs kennen. Kann man diese Pflanze nutzen, für die Küche oder Gesundheit, ist sie für mich noch interessanter. Fangen wir also mit einem früh blühenden Kraut an. Dem Scharbockskraut.

Blühendes Scharbockskraut

Scharbock? Was ist das denn? Scharbock ist ein alter Name für Skorbut. Damals, in der „guten, alten Zeit“, als es weder Supermärkte mit ganzjährigem Obst und Gemüseangebot gab, geschweige denn Pillen mit im Labor hergestellten Vitaminen, waren Krankheiten, welche durch Vitaminmangel verursacht wurden, ziemlich häufig. Damals wusste man halt nur nichts von Vitaminen. Da hatte man nach einem lange Winter Lust auf frisches Grün. Und siehe da, nach dem Genuss wurde man munterer, und besonders half es gegen den Scharbock. Auch zur Vorsorge (getrocknet) war es wirksam. Also hatte das Kraut seinen Namen weg. Erst viel später hat man entdeckt, dass Skorbut durch den Mangel an Vitamin C entstand. Und Scharbockskraut enthält viel von dem Vitamin C. Heute wissen wir auch, dass Vitamin C noch bei vielen, vielen anderen Dingen hilft. Und gerade als Frühjahrskur mit frischem Grün ist es ein hervorragendes Mittel gegen Frühjahrsmüdigkeit. Ein paar Blätter von dem Scharbockskraut in den Salat gestreut, geben dem Ganzen da noch die richtige Würze. Nur übertreiben soll man es mit dem Kraut nicht!

Blätter vom Scharbockskraut

Wieso soll man von dem Kraut nicht zu viel essen? Nun, es enthält ein leichtes Alkaloid. In geringen Mengen (eine Handvoll im Salat) schadet jedoch nicht. Jedoch, je älter die Pflanze wird, desto höher wird der Gehalt dieses leichten Giftes. Spätestens wenn das Scharbockskraut blüht, soll man die Blätter nicht mehr essen.

Das war für mich ein Problem. Ohne Blüten habe ich das Scharbockskraut nicht erkannt. Da heißt es, ein Jahr warten um dann die Stelle aufzusuchen, wo man im Vorjahr das Kraut gefunden hat. Falls man nicht vergessen hat, wo das war. Auch durch Sturm umgefallene Bäume verändern hier und da die Landschaft. Heute hatte ich Glück und habe im Unterholz ein paar von diesen Herz- oder Nierenförmigen Blättern erspäht. Für mich sehen sie wie ein glänzend, grünes Pik aus, welches am Stiel eine deutliche Einkerbung besitzt. Ich muss unbedingt daran denken, morgen einen Beutel zum sammeln mitzunehmen.

Kann man das Scharbockskraut mit einer anderen Pflanze verwechseln? Jepp, kann man. Was die Blätter angeht, gibt es da wohl eine sehr seltene Pflanze in Österreich. Das ist weit weg, weswegen ich das hier vernachlässige. Aber die Blüten habe ich schon einmal verwechselt, erst auf dem zweiten Blick bemerkt, dass es sich um etwas anderes handelt. Wenn ich richtig liege, dann muss es sich hier um das Gänsefingerkraut handeln. Die Blüten leuchten auch so schön gelb, nur ist die Form der Blütenblätter ganz anders.

Gänsefingerkraut???

Die Blätter sehen sogar ganz anders aus. Nur, so auf den ersten Blick, wer achtet in so einem Blätterteppich darauf? Ein Zeichen, dass man sich genügend Zeit nehmen sollte! Dann gibt es auch kein Bauchweh. Für mich ist dieses Wissen aber immer wieder interessant. Wer weiß, ob man dieses Wissen nicht einmal braucht? Und wenn es auch noch schmeckt, so heiße ich diese Abwechslung in der Küche herzlich willkommen!

Also bitte ganz genau hinsehen! 

 

Für mehr Informationen habe ich da noch zwei tolle Seiten im Netz gefunden. Zum einen ist da das Heilkräuter-Lexikon. Immer wieder lehrreich, dort reinzugucken. Und dann noch die Seite Wildkräutergarten. Dort findet man auch Rezepte zu den Kräutern. Viel Spaß bei suchen, sammeln und genießen!

Holunderlikör ganz schnell gemacht

*Beitrag kann Werbung enthalten durch Abbildung von verwendeten Produkten*  Erinnert ihr euch noch an die netten, kleinen Tüten voller Holunderbeeren, welche ich eingefroren habe? 020 (800x493) Die habe ich ja nicht nur eingefroren, damit die Kühltruhe voll wird, sondern, damit daraus auch was leckeres gezaubert wird. Ein besonderer Genuss ist der Holunderlikör. Und weil ich kein Freund von langen und komplizierten Dingen bin, möchte ich heute ein schnelles Rezept für solch einen Likör zeigen.

In einer Tüte befinden sich so ziemlich genau 500 g Holunderbeeren. Diese gebe ich mit 500 ml Wasser in einen Topf. 062 (800x780) Hätte ich 1 kg Beeren, würde ich 1 Liter Wasser nehmen. Das ist doch einfach, oder? Dann die Beeren mit dem Wasser einmal aufkochen (Vorsicht, es sprudelt und schäumt sehr stark) und bis zum nächsten Tag stehen lassen. 063 (800x679) Den nun entstandenen Saft durch ein Sieb gießen. 064 (797x800) Die Beeren gut ausdrücken. Schließlich soll ja keiner der guten Tropfen verschwendet werden! 065 (800x761) Den Saft nun wieder in den Topf geben. Mit in den Topf kommen noch Zucker und Vanille(-zucker). 068 (800x729) Eine genaue Angabe zur Menge kann ich nicht geben. Ich rechne immer ein Drittel vom Gewicht der Beeren. Hier also ca. 150-180 g. Zwischendurch halt einfach mal probieren. Es darf sehr süß sein. Dann entweder eine halbe Vanilleschote mit in den Topf geben (bei 1 kg Beeren natürlich eine ganze Stange), aufgeschnitten natürlich, oder eben 2-3 Tüten Vanillezucker. Unter rühren aufkochen, zwischendurch abschmecken, und wenn es süß genug ist, den Topf vom Herd nehmen und den Saft etwas abkühlen lassen. Wenn man nur den Saft haben will, benötigt man natürlich nur den Zucker. Und auch da darf der Saft sehr süß sein. Das erhöht die Haltbarkeit. Den puren Saft dann bitte heiß in Flaschen abfüllen. In heißem Tee schmeckt er nicht nur, wegen des hohen Vitamin C Gehaltes, hilft er auch bei Erkältung. Mit ein wenig Sekt aufgegossen wird daraus auch ein leckeres Getränk. Aber wir wollen ja heute Likör machen. Wenn der Saft ein wenig abgekühlt ist, kommt der Teil für die Leckermäuler. Wer eine Vanillestange benutzt hat, muss diese jetzt entfernen. Weil, nun kommt der Wodka dazu.  😉 072 (673x800) Der Geschmack bestimmt auch hier die Menge. Auf 500 g Holunderbeeren kommt so ca. 600 ml Wodka. Beim probieren darauf achten, dass der noch warme Likör eine intensivere alkoholische Wirkung vermittelt. Was in dem Zustand schon ziemlich stark schmeckt, schmeckt im abgekühlten Zustand doch etwas lasch. Im Notfall halt nochmal nachkippen…. Jetzt noch schnell die Flaschen mit kochendem Wasser ausspülen. 075 (557x800) Dann kann er Likör abgefüllt werden. 076 (601x800) Aus den 500 g Holunderbeeren sind ca. 1,3 l Likör entstanden. Der Holunderlikör schmeckt mit der Zeit immer besser. Deswegen empfehle ich, die eine oder andere Flasche so gut wegzupacken, dass man sie fast vergisst. Es lohnt sich! Aber der Likör schmeckt auch gleich nach dem Abkühlen. Ob nur zum Genuss, als Aperitif oder über Vanilleeis einfach ein Gedicht. Mit einem netten Etikett ist der Likör auch ein tolles Geschenk. 079 (674x800) Und übrigens, das funktioniert auch hervorragend mit Himbeeren! Ich werde mir jetzt allerdings ein Gläschen gönnen, um mich auf das neue Jahr einzustimmen.

Ich wünsche einen guten Rutsch ins Jahr 2016! Bis nächstes Jahr in alter Frische! 🙂